Ein weiteres Kapitel unserer Welt beginnt mit einer Auserwählten, die niemals je zurückkehren sollte.
Jeden Winter entsandten die Menschen des Iberagebirges eine junge Frau in ihr Verderben.
Für sie war das alles andere als grausam, sondern eine selbstlose Opfergabe an die ehrwürdigen Geister. Seit jeher trug die Gevatterin Hirsch die Sonne zwischen ihrem Geweih und sollte ihr nichts Kostbares dargeboten werden, würde sie sie für immer ihr Eigen nennen. Niemand hatte dies jemals hinterfragt, sind solche Überzeugungen schließlich nach Jahren tief in den Menschen verwurzelt.
So wurde jedes Jahr eine unverheiratete Maid erwählt und an dem Tag der Wintersonnenwende wanderte sie gen Geisterwald, während sie die Gaben jedes Stammes in das Heim der Gevatterin Hirsch trug, in der Hoffnung, sie auf ihrer lebensspendenden Reise begleiten zu können. Für die Stämme war dies die allergrößte Ehre. Doch für die Jungfern selbst gab es nichts, vor dem sie sich mehr fürchteten.
Dann eines schicksalshaften Winters, kurz nach der Sonnenwende, erhob sich ein seltsames Licht über den Bäumen.
Und das Opfer schritt wieder hinaus.
Ihr Name war Zolveig. Ihr einst feuerrotes Haar glänzte nun gülden, ihre Augen waren von einem unheimlichen Licht erfüllt und in ihren Armen lag der Körper des Mädchens, das den Wald das Jahr zuvor betreten hatte. Zu ihren Füßen schmolz der Schnee, trotz der bitterlichen Kälte, die sie umgab.
Die Dorfbewohner waren schockiert von ihrer neuen Erscheinung und in der Ungewissheit, was nun vor ihnen stand, gefangen. Die Druiden hingegen feierten das Phänomen als ein direktes Einschreiten ihrer Geister, ein Segen der Gevatterin Hirsch selbst und der Beginn eines neuen Zeitalters.
Zolveig hingegen kannte die Wahrheit.
DAS ERSTE LICHT VON ANTEROSE
Zolveig sprach und offenbarte sich ihnen als Solaris. Sie war weder die Botin der Sonne, noch ihre Priesterin. Nein, sie war die Sonne selbst, in menschlicher Gestalt. Erneut sprach sie: Die alten Riten waren falsch. Nie wieder sollten Töchter in jenem Wald ihrem Tod überlassen werden.
Die Druiden bezichtigten sie der Ketzerei. Ihre heilige Ordnung wurde nun schon seit Äonen behütet und das plötzliche Erscheinen dieses blasphemischen Wesens sollte nichts daran ändern.
Jedoch gab es jene, die das anders sahen.
Die ersten, die ihr glaubten, waren die Mütter. Zu lange hatten sie ihre Trauer und ihr Leid still in sich vergraben. Zolveig bat sie nicht darum, ihr Glauben zu schenken. Ihr Wort allein genügte, um die letzten Zweifel ihrer Herzen zu ersticken. Letztendlich entsagten sie dem alten Glauben. Und als dieser nach dem Leben derjenigen trachtete, die ihnen schließlich die Wahrheit brachte, waren sie die ersten, die sie beschützten. Mit allem, was sie hatten.
Erfüllt mit dem rechtschaffenen Feuer ihrer Mission, konvertierte ihr Gefolge die zersplitterten Stämme von Ibera, einer nach dem anderen. Zolveig führte sie aus den Bergen gen Süden, in das dort liegende Tal. Geleitet von der Kraft ihrer Visionen, navigierten sie durch Pässe, die bereits erfahrene Reisende in den Tod gerissen hatten. Als sie sich schließlich aus den Fängen des Schnees befreien konnten, fanden sie sich inmitten goldener Felder wieder.
Der alte Glaube klammerte sich an die Illusion des Opfers, während der Neue sich den Aufbau von etwas Neuem als Ziel setzte: erfüllt mit Fragen, die sich einst niemand traute zu fragen.
Dies ist die Geschichte derer, die einst ihre Töchter dem Schnee überließen und nun den Weg für die gesamte Menschheit erleuchten. Und es ist die Geschichte von Anterose, dem Geweihten Land und der goldenen Stadt Aurora, die am Rand der schönsten Wasserfälle der Welt steht…
DIE MENSCHEN VON ANTEROSE (SPIELBARE RASSE)
Anterose ruht am nordwestlichen Rand des Kontinents, zwischen den eisigen Landen von Ibera und den trostlosen Wäldern von Düstergram. Die nördlichen Berge neigen sich in die goldenen Felder des Vallisischen Plateaus, durch das sich zahlreiche Flüsse fädeln. Sie ergießen sich in den Vallis-See und stürzen anschließend in Reihen von atemberaubenden Wasserfällen von den Klippen des Plateaus.
Der Welt ist diese Gegend nur als der Schild des Nordens bekannt.
Doch Anterose ist mehr als nur eine Feste gegen den Norden. Seine fruchtbaren Felder, Flüsse und Wasserfälle machten es zu einer der wohlhabendsten Regionen der menschlichen Nationen und Reisende, Händler sowie Handwerker von jenseits seiner Grenzen angelockt.
Im Laufe der Zeit haben zahlreiche Siedlungen die Region mit ihren ganz eigenen Besonderheiten geprägt:
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Neu-Ibera war die erste Heimat jener, die ihre alte noch nicht ganz hinter sich lassen konnten. Es gilt als die älteste Stadt in Anterose und zugleich die mit dem größten Hafen im Land.
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Vallisborough wurde zur schaffenden Hand von Anterose. Ihre Handwerkersgilde brachte Kunsthandwerker, Künstler und Steinhauer gleichermaßen zusammen, deren Arbeiten bald in allen Teilen des Landes vorzufinden waren.
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Kreuzen verteidigte die südliche Passage entlang der Straße Richtung Aurora. Die uneinnehmbare Festungsstadt war eine stetige Erinnerung daran, dass Frieden in Anterose nie so selbstverständlich war, wie die Gebirge es vermuten ließen.
Und im Zentrum von alledem stand Aurora, eingebettet in die Klippen, wo der See sich über den Rand der Welt ergießt.
Weißer Marmor, vergoldete Türme und ein Ausblick, der Pilger auf die Knie fallen lässt. Hier leben die Hohepriesterin, ihre Schildträger und die Sakramente, während in den Katakomben der Kathedrale von Solaris jede vorherige Hohepriesterin ihre ewige Ruhe findet.

DER SOLARISGLAUBE
Zolveig besaß Kräfte, die die menschlichen Grenzen weit überstiegen, doch letzten Endes war auch sie weiterhin nur sterblich. Die Hohepriesterin starb, so wie auch die Sonne selbst eventuell untergehen muss. Für dreißig lange Tage trauerte Anterose ihr hinterher.
Am einunddreißigsten Tage wählte der Sonnenfunke jemand anderes.
So ist es seit jeher: Sobald eine Hüterin verblasst, ruft der Funke nach einer neuen Priesterin, gewappnet in Körper und Geist, und überträgt ihr ihre Kräfte und die Erinnerungen all jener vor ihr. Die neue Hohepriesterin erwacht so mit Wissen, das sie sich niemals selbst aneignete. Nützlich, gewiss, aber befremdlich zugleich.
Die Verehrung der Sonne prägte maßgeblich das alltägliche Leben. Familien versammelten sich nach harter Arbeit zum abendlichen Huldigungsgebet. Bauern ersuchten den Segen der Priester für das Wasser der ersten Aussaat des Jahres. Und an jedem siebten Tag legten sie ihr Werkzeug nieder, um sich in den Kirchen ihrer Dörfer und Städte einzufinden.
Der Glaube in Anterose war nicht nur für seine Gotteshäuser vorgesehen. Er prägte das tägliche Leben, von den gemeinsamen Mahlzeiten bis hin zu den Grundsätzen, die das Beieinander aller Menschen bestimmten.
Die in Stein gemeißelten Sechs Gebote der Solaris halten all dies zusammen. Vertraue dem Licht deines Glaubens. Morde nicht. Ehre die Toten. Respektiere deine Nachbarn. Beschütze die Schwachen. Würdige die, die vor dir kamen. Die besten Regeln sind maßgeblich die einfachsten, doch das bedeutet gewiss nicht, dass sie einfach zu befolgen sind.
Dieser gemeinsame Glaube war es, der Anterose für lange Zeit aus den Unruhen der anderen Nation heraushielt, während ihre eigenen Lande von kriegführenden Lords und Magiern zerrüttet wurden. Anterose beobachtete sie von jenseits seiner Gebirge und Gebote und erachtete sich alles in allem vom Glück gesegnet.
Doch Glück ist selten so stark wie eine Mauer.

DER AUFSTIEG FALAGARS
Hohepriesterin Illucia XIII. verstand, dass die Unruhen der südlichen Lande nicht dort verweilen sollten. Die Flammen des Chaos lauerten bereits am Horizont. Also tat sie etwas, das noch keine Hohepriesterin vor ihr auch nur in Erwägung zog.
Sie entsandte einen Mann.
Sein Name war Falagar, der einzige Mann in der langen Geschichte von Anterose den Titel eines Schildträgers innehielt. Illucia gab ihm eine Armee und eine Mission: Stelle die Ordnung in den zerschlagenen Reichen von Sartora, Valdren und Torphos wieder her. Er marschierte gen Süden mit dem Versprechen, der Menschheit Einigkeit zu schenken. Der Feldzug forderte seinen Tribut und die Kinder von damals waren nun die Soldaten von heute, doch nach Jahren voller Krieg hatte er sein Ziel erreicht. Das Imperium von Falagar. Zum ersten Mal im langen Lauf der Geschichte war die Menschheit unter einem Herrscher vereint.
Für das einfache Volk, das Generationen von Kämpfen zwischen gierigen Lords überlebte, verbesserte sich vieles schlagartig. Doch für die Lords und Magier selbst war Falagar nichts anderes als ein Eindringling, der ihre Lande an sich riss. Solche Worte waren aus ihrem Exil jedoch kaum zu verstehen.
Was aber niemand bezweifelte, war, dass weder die Karten der Welt noch der Glaube selbst je wieder dieselben sein würden. Keine Straße des Imperiums war ohne die goldenen Banner der Solaris gespickt. Aurora selbst wurde zum Ziel vieler Pilger, die zuvor nie ein Gebirge sahen, und die Traditionen der Geweihten Lande verankerten sich in Orten, die noch nie von der Gevatterin Hirsch gehört hatten.
DER FALL DES IMPERIUMS
Die Einigkeit, die Falagar erschuf, sollte noch Jahrhunderte nach seinem Tod fortbestehen. Doch am Ende des Tages konnte sie ihn nicht auf ewig überdauern. Seine Nachfolger erbten zwar die Krone, doch nicht das, was sie ausmachte, und die Risse zwischen den Fraktionen des Imperiums waren zu zahlreich. Königreiche, die sich die Treue schworen, erinnerten sich an alte Grolle. Verbitterter Hass, den es nur schwer abzulegen galt.
Die heute noch zerklüfteten Reiche sind das Ergebnis solcher Zerwürfnisse. Die Nationen eroberten die Länder, die das Imperium übernommen hatten, wieder zurück, während sie einer Illusion von Ruhm hinterherjagten, die mit jeder Erzählung grandioser als zuvor wirkte.
Und doch überlebte Falagars wahres Erbe sein eigenes Imperium. Die Königreiche hielten den Handel aufrecht, konnte man doch nur schwer ohne ihn fortbestehen. Der Solarisglaube verblieb noch Jahre nachdem die Banner von Falagar verschwanden in den Kirchen und Klöstern, die über die Lande verstreut waren. Das Imperium fiel aufgrund der menschlichen Fehler, die es erst notwendig machten. Und doch setzte sich der Glaube weiterhin durch.
Selbst nach dem Ende des Imperiums, blieb Anterose nach wie vor ein Ort der Zuflucht und Sicherheit, der all jene willkommen hieß, die in den Geweihten Landen Schutz suchten.
JENSEITS DER GEWEIHTEN LANDE
Es begann mit einem Mädchen, das dem Tode geweiht war und sich ihm widersetzte.
Von dieser einen Rückkehr erhob sich ein Volk, ein Glaube, eine Stadt am Rande der Welt und ein Imperator, der diese Welt vereinte. Der Einfluss von Anterose ist noch immer jenseits der goldenen Felder spürbar, wenn die Glocken an jedem siebten Tag hell erklingen.
Egal wie verschieden die Eigenheiten jeder Nation auch sein mögen, das Vermächtnis von Solaris und ihren Anhängern ist tief in den Herzen und im Geiste der Menschen verankert. Ein leitendes Licht für alle gleichsam.
BIS ZUR NÄCHSTEN REISE
Was sind deine Eindrücke zu Anterose und dem Vermächtnis von Solaris? Tritt unserem Discord-Server bei und teile deine Gedanken mit uns.
Es gibt noch vieles, das es jenseits der Felder von Anterose zu entdecken gilt, und dies war nur ein Kapitel in der Geschichte unserer Welt.
Auf dass euer Pfad nie vom Licht abschweift.
BONUS: TARMUND-INHALTE
